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Iiro Rantala

21.03.2011

Iiro Rantala huldigt seinen Musikgöttern

Jazz Finnischer Pianist zu Gast im Café Hahn

Von unserem Mitarbeiter

Michael Schaust

 

Ein Mann, ein Flügel, ein Meisterwerk: Dass Iiro Rantala schon lange ein ausgezeichneter Musiker ist, darüber besteht kein Zweifel. Der Finne war vor allem als Mastermind beim Trio Tröyeät für seinen Klamauk auf hohem Niveau bekannt. Ernsthaft hat er sich jetzt den Toten zugewandt, seinen musikalischen Helden. Im Café Hahn huldigte er auf Einladung des Jazzclubs den Inspirationsquellen seiner pianistischen Sozialisation.

Rantala ist keiner, der einfach nachspielt; Best-of-Attitüden sind seine Sache nicht. Statt schlichter Werkinterpretationen nähert er sich seinen „Lost heroes" (Titel der neuen CD) unkonventionell wie facettenreich. Er bringt die jeweils vorhandene Charakteristik der Vorbilder in einen Dialog mit seiner persönlichen Ausdrucksform.

Meist sind es Eigenkompositionen, so wie „Thinking of misty". Erroll Garners listigen Humor im Spiel legt er dabei frei, „diese Kluft zwischen den fröhlichen Tagen des Swings und der Paranoia des Bebops", wie es Rantala formuliert. Begleitet von einem federnden Drive der linken Hand, die das Thema begleitet, vollführt die rechte Hand wahre Kapriolen.

Der „Waltz for Bill" feiert balladesk den großen Bill Evans und zeigt Rantala als Romantiker. Zu den Auserwählten zählt auch Jean Sibelius. In seiner Hommage stellt er den finnischen Klassiker als Ehemann in den Mittelpunkt, der allen Schicksalsschlägen trotzend in wahrer Liebe seiner Frau verbunden bleibt - das Herz rührend sein „Jean and Aino". „Donna Lee" bietet als Fremdwerk, entstanden als Kooperation von Miles Davis und Charlie Parker, die Basis, um Art Tatums berauschende Spieltechnik zu zelebrieren.

Mit 13 Jahren erlebte Rantala Jaco Pastorius zum ersten Mal live. Tief beeindruckt vom großartigen Vier-Saiten-Virtuosen (Weather Report), entfacht er in den tiefen Lagen bei „Can't get up" ein E-Bass-ähnliches Sturmgewitter. Seelenverwandtschaft offenbart sich in der Toots-Thielemans-Nummer „Bluesette", die die unübertroffene Eleganz von Oscar Peterson wieder zum Leben erweckt. Seinem Landsmann Pekka Pohjola, dem Jazzrock-Multikönner, setzt er mit einer nordisch-unterkühlten Pianoperle, die Anklänge von Eric Satie und Claude Debussy hat, ein Denkmal. Und schier zum Weinen ist „Tears for Esbjörn", ein Titel für den großen Kollegen Svensson. Pure Melancholie und großer Herzschmerz vereinen sich .

Rantala als Opernliebhaber - er gehört zur Vielfalt eines Künstlers, der niemals zu langen, quälenden Soloextratouren aufbricht, sondern auch in den wildesten Passagen sein Gefühl für den nuancierten Anschlag bewahrt. „Intermezzo" ist eine Würdigung aller großen Tenöre, hier stellvertretend Luciano Pavarotti, in Form eines tollen Hochzeitliedes. Der Tausendsassa an den Tasten wird mit riesigem Beifall verabschiedet. Mit einer pop-jazzigen Improvisation ohne Namen sagt er „Auf Wiedersehen".

 

RZ Koblenz und Region vom Donnerstag, 24. März 2011, Seite 24


 



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