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Paolo Fresu Devil Quartet

26. Mai 2011

Der Poet mit der Trompete

Paolo Fresus universeller Klangkosmos war im Café Hahn zu erleben

Von unserem Mitarbeiter Michael Schaust

Paolo Fresu gehört zu den Spitzentrompetern Europas. Er mag nicht so bekannt sein wie Till Brönner oder Wynton Marsalis, dafür ist er aber weder modisch-glatt noch ein beinharter Traditionalist. Unbändige Spielfreude und Musik der Extraklasse - das erlebten jetzt Zuhörer beim Auftritt des 50-jährigen Italieners mit seiner Band im gut gefüllten Café Hahn.

Mit dem sardischen Trompeten-Poeten, der auch das Flügelhorn wunderbar beherrscht, hat der rührige Jazzclub Koblenz erneut einen Künstler verpflichtet, der von der ersten bis zur letzten Sekunde die Leute fesseln kann. Fresus universeller Klangkosmos basiert auf der Inspiration aus der kompletten Jazzgeschichte und auf Teilen der Weltmusik. Er hat viele Projekte mit unterschiedlicher Ausrichtung laufen und ist ein sehr gefragter (Duo-)Mitstreiter berühmter Kollegen wie Ralph Towner.

In Güls steht diesmal das Devil Quartet mit einem Mix aus Cool-Jazz und Fusion im Mittelpunkt. Und eine höllische Fahrt beginnt. Der Fahrstuhl zum Schafott steht bereit, um in kühlster Miles-Manier in schwarze Nouvelle-Vage-Gefilde abzutauchen. Fresu kupfert nicht ab, sondern verbindet, wenn auch oft in typischer Davis-Haltung den Rücken nach hinten verbiegend, die einfrierenden Laute mit der mediterranen Leichtigkeit seines Lehrers, Landsmanns und Vorbildes Enrico Rava. Und stets kommt dabei Fresu pur heraus.

Wie weiland Chet Baker hält er schier endlos lange den Ton in der Schwebe, um dann ins psychedelisch Freejazzige umzuschalten. Kongenial wirkt dabei die Griffbrettarbeit von Bebo Ferra. Mal wie John Scofield jazzrockend, mal abgedreht-sphärisch wie Bill Frisell agierend, gibt der Sechssaitenmann Impulse, die nicht nur der Bandleader freudig aufnimmt. Kontrabassist Paolino Dalla Porta slappt mit Verve, sodass sich ein munteres Zwiegespräch zwischen den Zupfern entwickelt. Schlagzeuger Stefano Bagnoli, rein äußerlich die Ruhe in Person, gibt den souveränen Herrscher über das sparsame Drumset. Der Drive hat manchmal eine solche Wucht, dass selbst die pfeilschnellen Fresu und Ferra sich sputen müssen.

Die Teufelsband bewegt sich in „Another road to Timbuktu" im Fusion-Land der 70er-Jahre. Elektronische Einsprengsel mit Hall und Verzerrung sind da konsequent, ohne überfrachtend zu wirken. Einen groovigen Funky-Sound hat das Quartett ebenso zu bieten. Der Gruppengeist macht's möglich inklusive toller solistischer Einlagen aller Musiker. Die Einzelvorstellung von Fresu mit gedämpfter Trompete im Echogewitter ragt hervor. Bei einem stampfenden Stones-Cover spielt der Gitarrist sich in Ekstase. Das wirkt ansteckend auf Mitstreiter wie Publikum. Der Beifall fällt riesig aus. Die Schlussnummer „Fellini" drosselt wieder die Temperatur auf Cool-Grade, nicht aber den stürmischen Zuspruch.
RZ Koblenz und Region vom Samstag, 28. Mai 2011, Seite 15

 



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