Suche

Suche

Der Jazzclub Koblenz e.V. bedankt sich für die Unterstützung durch folgende Sponsoren:

Koblenz-Touristik

Sparkasse Koblenz

VB Koblenz Mittelrhein

.

Herrnkind

7. Juni 2011

Herrnkind: Ein Geheimtipp auf gutem Wege

Kaiserslauterner Gitarrist hat für seinen Auftritt im Café Hahn ein Dream-Team an Musikern versammelt

Von unserem Mitarbeiter Michael Schaust

Sich selbst als „Quasi-No-Name" zu bezeichnen, ist mutig und zugleich ein Understatement. Ralph Herrnkind ist derweil noch tatsächlich eher nur Insidern bekannt. Das zeigt sein Auftritt im Café Hahn, den Förderverein und Jazzclub ermöglicht haben. Zunächst also zögernder, verhaltener Anstandsbeifall, als das Quintett die Bühne noch im Dämmerlicht in Besitz nimmt. Auch anfänglich technische Soundprobleme lassen noch nicht gleich auf einen großen Abend im Gülser Klub schließen. Denkste!

Ralph Herrnkind aus der Fritz-Walter-Stadt Kaiserslautern ist ein Spielführer, der sein Team an der langen Leine agieren lässt. Dem studierten Jazz- und Pop-Gitarristen, Komponisten und Dozenten sind überzogene Selbstdarstellung und Chefallüren fremd. Zudem hat er ein Dream-Team um sich versammelt, bestehend aus mannschaftsdienlichen Einzelkönnern. Schon in der ersten Nummer, „Full moon", bestätigt sich, die Gruppe harmoniert, besitzt Spielfreude wie -witz und wandelt traumwandlerisch auf Fusion-Pfaden. Und es rockt zum Schluss des Stückes, angetrieben von Julius Pastorius, einem der hoch talentierten Zwillingssöhne der 1987 verstorbenen Basslegende Jaco Pastorius. Mit Verve, Fingerspitzengefühl und fast stetigem, strahlendem Blickkontakt zu den Kollegen gibt der junge US-Musiker den flotten Rhythmus vor.

Ruhiger wird es bei „One moment", wenn Herrnkind auf der halslosen Steinberger-Gitarre den Santana gibt. Anders etwa als beim gemächlichen Anschwellen von Smetanas „Moldau" ist die Fließgeschwindigkeit bei „River" von Anfang an enorm, vor allem dokumentiert durch die furiose Basseinlage von Jürgen Attig. Der Hamburger kann auch bei Funk gedrängten Titeln gekonnt slappen wie Tiefton-Größen vom Range etwa eines Marcus Miller.

Jesse Milliner an den Tasten kennt sich ebenfalls im klassischen Rock-Jazz von Weather Report bis Return to Forever aus. Und Chick Coreas Glockengewitter und Klangwolken versteht der Kölner Keyboarder in „Friends", in wohltemperierte Bahnen zu lenken. Dazu liefert der Dortmunder Bernie Adamkewitz im Zeitlupentempo halbakustische Saiten-Synthi-Töne, während Herrnkind rockige Riffs liefert.

Eine bravouröse Battle zwischen Drummer und Bassist peppt den „German Blues", einen zwölftaktischer Funk-Rock-Parforceritt, zusätzlich auf. Leicht exotisch angehaucht kommt „Jains" daher, ebenfalls eine Eigenkomposition Herrnkinds, der in Indien auf die uralte, friedliche Religion stieß, die das abgewinkelte Hakenkreuz als Vier-Arme-Symbol verwendet, das später von den Nazis furchtbar missbraucht wurde. Trotz klarer Roots und kreativer Bedienung aus dem reichen Fusion-Topf ist Herrnkind alles andere als ein Etikettenschwindler. Was aus fremden Federn stammt, das sagt er auch - so wie Miles Davis' „Milestone" von 1958 mit einem an die Energie Tony Williams' erinnernden Trommeltornado von Pastorius und Herbie Hancocks funky „Butterfly" (1974).

Und in „Two kinds of luck", wie fast alle seiner an diesem Abend vorgetragenen eigenen Stücke von der Scheibe „Herrnkind" (2010) stammend, ist die Nähe zum mitsingenden, federleichten Sound eines Pat Methenys unverkennbar, ohne sich einem Plagiatsvorwurf auszusetzen. Herrnkind ist Herrnkind - nach dem viel umjubelten Konzert im „Hahn" aber auf jeden Fall etwas bekannter als vorher.

 

Informationen zum Künstler im Internet unter www.herrnkind.com


RZ Koblenz und Region vom Donnerstag, 9. Juni 2011, Seite 22

 



.