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Vijay Iyer

Rhein-Zeitung vom 20.10.2011

Hart und munter gibt sich Vijay Iyer im Café Hahn

Konzert Energetisch und offen: Jazzer und Trio zeigen Weltklasse

Von unserem Mitarbeiter Michael Schaust

Vijay Iyer, Pianist und Komponist und einer der angesagten Musiker der US-Jazz-Szene, ist in Deutschland dank des ACT-Labels gerade dabei, sich vom Geheimtipp zum gefragten Musiker zu entwickeln. Damit hat der Jazzclub nach dem James Carter Quintet 2010 erneut eine Band mit explosiver Kraft und superber Spieltechnik ins Café Hahn geladen.

Iyer gibt den Hybriden und Geschichtenerzähler an den schwarz-weißen Tasten. Der Anglo-Inder aus New York ist westlich sozialisiert, aber ein musikalischer Spurensucher in der Heimat seiner Eltern. Er studierte Physik, promovierte in Kunstwissenschaft, genoss früh Geigenunterricht und hat sich das Klavierspielen selbst beigebracht: So gelingt ihm der Spagat zwischen Tradition und Moderne, ohne in den Verdacht von Free Jazz oder Mainstream zu geraten.

Mit seinem Trio vollführt Iyer eine Form der Kommunikation, bei der alle auf gleicher Augenhöhe agieren. Frei, aber höchst diszpliniert wird musiziert. Komplizierte rhythmische Gebilde und entspannte Melodien fließen ineinander, komplex und sinnlich. Paradebeispiel dafür ist die Coverversion des Michael-Jackson-Songs „Human nature". Ein sacht perlendes Flügelintro, ein mit den Mundpartien lautlos Scat singender Stephan Crump, ein cooler Marcus Gilmore, der gehörig die Trommel rührt. Dann kehren sie zurück zum Balladenhaften mit sphärisch gezogenem Bogen, fast getupften Tastenanschlägen und dem Streicheln eines Besens, das zum langsamen Aushauchen des Titels führt.

Die Art und Weise des Trios, Stücke zu präsentieren, fasziniert. Ob Fremd- oder Eigenwerke - oft werden sie erst radikal skelettiert, dann traditionell entwickelt und schließlich improvisierend aufgeladen. Hochenergetisch ist das Spiel: Dass sie sich im richtigen Moment zurücknehmen und den Klangteppich für individuelle Ausflüge ebnen, das zeichnet alle drei Tonkünstler aus.

In Iyers Vorträgen vibrieren zwar Cecil Taylor und Andrew Hills mit. Doch Iyer klingt nach Iyer. Wiederkehrende Akkorde, minimalistisch in die Länge gezogen, harter Beat und munteres Bassgezupfe erster Güte sind Grundlage in „Cardio", um dazu auf dem Flügel kleine Einzelausflüge zu starten. Wie Ambient wirkt das handgemachte „Aftermath" mit schräg gestrichener Basseinlage. Dieser grandiose Gig verdient den großen Beifall.
RZ Koblenz und Region vom Donnerstag, 20. Oktober 2011, Seite 24

 



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