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Charly Antolinis Puls schlägt unverändert frisch

Charly Antolini, 2.11.2011

Jazz Trommel-Altmeister sprüht im Café Hahn vor Energie - Meer und Motor rauschen

Von unserem Mitarbeiter

Michael Schaust

M Koblenz. „Es ist nur Swing, aber ich mag ihn." Für Stones-Fans bedeutet der schmutzige, gute alte Rock 'n' Roll, diese extrem in die Beine gehende Musikform, Vergnügen pur. Geschmackssache, klar. Aber altmodisch? Abgenutzt? Von wegen - vor allem, wenn Altmeister wie Charly Antolini am Werk sind, der jetzt auf Einladung des Jazzclubs im Café Hahn war.

Mit 74 Jahren fängt das Leben zwar nicht neu an, aber das Dasein kann so schön sein. Vorausgesetzt, Geist und Körper machen mit. Beim Schweizer Drummer Antolini, der mit „Knock out" 1979 einen „Boxenkiller" auf den Markt brachte, ist ein Verschleiß kaum bemerkbar, auch wenn seine früheren Rock-Jazz- und Hard-Bop-Flammen nicht mehr lodern.

Humorvoll geht er mit dem Publikum um (die Dankesorgien an die Zuhörerschaft: zu viel des Guten). Wichtige und wuchtige Akzente kann er als Schlagwerker immer noch setzen. Charly kommt dabei gehörig ins Schwitzen, atmet mitunter schwer, aus dem Takt gerät er jedoch nie. Als leibhaftige Swing-Maschine, die ihre Kraft aus einem enormen Energiespeicher schöpft, lässt der Wahl-Münchener seine Leute an der langen Leine, ohne seine Pulsgeberautorität jemals aus der Hand zu geben.

Und das Quintett erweist sich als prima Tourteam: Es sind Freunde und ausgezeichnete Instrumentalisten. Rocky Knauer, der schon mit Trompeterstar Chet Baker („My funny Valentine") spielte, bedient den Kontrabass mit Verve und lässt beim Einzelvortrag auch die Saiten knallen. Saxofonist Peter Kral bläst sich mal die Lunge aus dem Leib, um dann wieder der Klarinette feine Melodiebögen zu entlocken. Dizzy Krisch gibt meist den Derwisch am Vibrafon, und David Gazarov entpuppt sich als Hochkaräter an den Tasten.

Die Band musiziert ohne Geplänkel und ohne Vorglühen: Es geht mit viel Spaß und Professionalität direkt zur Sache. Meist sind es Jazzstandards, die Antolinis Gruppe traditionell oder frisch aufbereitet vorträgt. Milt Jacksons „Bag's groove" groovt und groovt mit deutlichem Blues-Unterton. „Meditation" kommt locker im Bossa-Nova-Kleid daher. Und „Jumpin' at the woodside" von Lester Young versprüht Big-Band-Flair im Stil Count Basies.

Duke Ellingtons „Caravan" wird spätestens dann zur Wüstenrallye, wenn der Maestro mit den Sticks losdonnert. Da klingt nichts bemüht oder kraftmeierisch. Bei aller atemberaubenden Trommelkunst achtet Antolini als Beat-Chef stets akribisch auf den Gesamteindruck.

Die Besen in balladesken Parts mit viel Gefühl führen: Auch das kann der Rhythmiker, der in „Slow boat to China" Wellen- und Motorgeräusche behände imitiert. Die Leute sind von der putzmunteren Legende begeistert. Mit zwei Zugaben, „Cherokee" und „Perdido", verabschiedet sich die gut gelaunte Truppe. Auf Wiedersehen.
RZ Koblenz und Region vom Freitag, 4. November 2011, Seite 29

 



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