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Pee Wee Ellis

Rhein-Zeitung vom 4. Juni 2012

Pee Wee EllisPee Wee Ellis’ unbändige Urkraft

Altmeister zeigt sich im Café Hahn von seinen beiden allerbesten Seiten

Von unserem Mitarbeiter Michael Schaust

 

Er spielt funky Jazz und jazzy Funk und ist auch mit 72 Jahre noch einer der größten Meister, der diese Stile kongenial miteinander verbinden kann. Der Weggefährte, musikalischer Direktor und Arrangeur von James Brown hat nichts von seinem Feuer früherer Tage verloren. Mit seinem formidablen Quintett zeigte sich der Weltklasse-Tenorist auf Einladung des Jazzclubs im Café Hahn von seinen allerbesten zwei Seiten.

Der Tenorist wird gut gemeint als „Mann, der den Funk erfand“, tituliert. Doch das stimmt nicht. Einer allein erfindet ein Genre nicht – er war nur als richtiger Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort, als das singende und schreiende Energiepaket Mitte der 60er-Jahre eine musikalische Revolution auslöste. Und diese unbändige Urkraft, vor allem instrumental, entwickelt Ellis auch anno 2012 noch immer.

Im ersten Set überwiegen der Jazz, der straight ahead swingende Beat und der Bebop mit seinem stark akzentuierten Puls. Ellis ist ja von zu Hause aus Jazzer und ging 1957 in die „Lehre“ von Sonny Rollins. Die Klasse, lang die Töne auszuhalten und sie aus der tiefsten Tiefe in die höchsten Höhen zu blasen, hat er sich von seinem Mentor erfolgreich abgeschaut. Kostproben solch veritablen Saxofonspiels, mal sanft-rauchig, mal scharf-vorwärtsreibend, sind im Gülser Club keine Seltenheit. Auf seine Band kann sich der Leader 100-prozentig verlassen. Sie gibt ihm die Grundlage für seine solistischen Ausflüge. Seine Jungs selbst lässt er auf Improvisationspfaden wandeln und applaudiert ihnen mit einem väterlichen Lächeln.

Gitarrist Tony Remy gibt gern den hardrockenden Blueser à la Albert King, E-Pianist Gareth Williams entlockt seinem Fender Rhodes äußerst groovige wie kontrastreiche Glockenklänge und seinem Roland-Keyboard psychedelische Patterns. Drummer Guido May hat den Beat auf der Hi-Hat genauso sicher auf Lager wie den Back Beat auf der Snare Drum. Und Bassist Patrick Skales funkt fast schon wie Marcus Miller auf dem elektrischen Tieftöner.

Noch mächtiger zur Sache geht es in Runde zwei, als die Fünferbande den Funk wie einen Vulkan ausbrechen lässt. Da gibt es kein Halten mehr. Ellis shoutet, rappt und animiert das Publikum zum Mitsingen. Auch Klassiker der Brown-Ära sind angesagt. Die Musiker trumpfen dort ebenso mit viel Spaß auf. Auf Calypso können sie machen, dass es eine wahre Freude ist. Grenzen in der Tonkunst kennen sie nicht. Und als Zugabe darf „die“ Brown-Nummer nicht fehlen. „I got you (I feel good)“, sehr lasziv präsentiert. Nicht nur Ellis und Co., auch die begeisterten Zuhörer fühlen sich prima, Jazzclub sei Dank.

 

Z Nächster Gast auf Einladung des Jazzclubs im Café Hahn ist am 31. August das niederländische Quartett Talking Cows. Karten gibt es unter Tel. 0261/423 02.

RZ Koblenz und Region vom Montag, 4. Juni 2012, Seite 18



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