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Trovesi / Coscia

Di., 2. November 2010

Trovesi und Coscia jazzen von Mailand bis nach New Orleans

Zwei in Ehren ergraute Weltmusiker zeigten ihr ganzes Können im Café Hahn

Von unserem Mitarbeiter

Michael Schaust


Sie sind die Grandseigneure des italienischen Jazz. Und sie sind Weltmusikgeister, spielen Musik mit und ohne Noten, wiederholen mal einfache Melodien, folgen mal komplexen Linien. Gianluigi Trovesi und Gianni Coscia sind längst ergraut. Doch ihr Witz und ihre Tonkunst sind quicklebendig, wie das Konzert im Café Hahn gezeigt hat.

Auf Einladung des Jazzclubs gehen die beiden auf eine Reise in ein fantastisches Land voller Musik – poetisch und marktschreierisch und komödiantisch. Von Verdi bis Armstrong, von Oper über Volksweisen bis Dixieland, von Mailand bis New Orleans: Die 66-Jährigen loten den Klangkosmos aus. Tempo- und Stimmungswechsel sind charakteristisch für die Performance von Coscia, der auf der Bühne links auf dem Stuhl hockend das Akkordeon umgeschnallt hat, und Trovesi, weiter rechts positioniert, Klarinette und Saxofon stets griffbereit.

„Ose Shalom“ führt in Klezmer-Gefilde, wehmütig die langsamen, leicht übermütig die schnellen Passagen. Schon hier zeigt sich der Schalk im Nacken der Künstler. Trovesi gibt den Conférencier. Coscia mimt den bärbeißigen Kollegen, der die „Meisterstücke“ des Freundes nicht selten mit abwinkender Hand quittiert.

Spaß hier, freche Neckereien dort: Auch beim Musizieren setzt das kongeniale Duo auf Kontraste. Für Musette-artigen Grundtenor sorgt Coscia, behutsam lässt er die Finger seiner rechten Hand über die Knöpfe gleiten, während Trovesi der Klarinette Zunder gibt. Bei der Kurt-Weill-Hommage entsteht durch die Ziehharmonika oft ein schöner Gershwin-Touch. Trovesi übernimmt derweil den Part der schrägen Töne und versprüht ein anrüchiges Flair – typisch für eine Whiskey-Bar.

Von Debussy bis zum Oktoberfest: Auch dieser Spagat gelingt. Mittendrin tauchen Radetzky-Marsch und Marseillaise auf, Romantik und Moderne werden miteinander verbunden, der Schuhplattler darf nicht fehlen.

Neues, erst für 2011 auf Platte geplant, haben die Italiener auch im Gepäck. Improvisationen zu Jacques Offenbachs „Die schöne Helena“ verwandelt die Operettensüße in jazztaugliche Würze. Und wenn da nicht das Risotto auf die beiden Südländer gewartet hätte, wer weiß, ob das begeisterte Publikum nicht doch noch in den akustischen Genuss weiterer Stücke des „alten Musikerpaares“ gekommen wäre.

RZ Koblenz und Region vom Donnerstag, 4. November 2010, Seite 22



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